Auf die dringenden Probleme, die die grünen Verkehrsdezernenten der letzten 30 Jahre in Frankfurt herbeigeführt haben, das beispiellose Stau-Chaos im Stadtzentrum und den völlig herunter gekommenen und überteuerten ÖPNV, gibt dieser "Masterplan" genauso wenig eine Antwort wie auf das Versäumnis, die Park&Ride-Infrastruktur auszubauen.

Die wenigen in der Teilstrategie "Öffentlicher Nahverkehr" genannten Maßnahmen sind ganz bestimmt nicht dazu geeignet, unseren ÖPNV sicher, sauber und wettbewerbsfähig zu machen, Jahrzehnte Rückstand hinsichtlich Strecken-Ausbau, -Modernisierung und -Digitalisierung aufzuholen, die katastrophen Zustände in unseren U-Bahn-Stationen zu beseitigen. Einen Plan, P&R-Plätze an den Stadtgrenzen zu bauen und die U-Bahn dorthin zu verlängern, gibt es nicht. Nirgendwo findet man eine tragfähige Strategie, mit der autofreie Flussufer herbeigeführt werden könnten, ohne an anderer Stelle Bürger mit gigantischen Verkehrsmassen zu belasten.

Dieser Plan ist ganz bestimmt nicht dazu geeignet, den massiven Verkehrszufluss in unser Stadtzentrum spürbar einzudämmen um damit die Voraussetzungen für ein autofreies Stadtzentrum und für autofreie Mainuferstraßen zu schaffen, weil die beiden wichtigsten Instrumente zum Erreichen dieser Ziele - ein wettbewerbsfähiger ÖPNV und eine dichte Park&Ride-Infrastruktur - viel zu wenig Berücksichtigung finden. Dieser Plan ist lediglich ein Freifahrtschein für die Grünen, um ihre für die Umwelt und Wirtschaft schädliche Verkehrsverdichtungs- und Stauerzeugungspolitik weiterführen zu können.

Sie können den Plan hier herunterladen Ein Blick auf das Inhaltsverzeichnis genügt, um zu erkennen, dass es sich um ein dilettantisch zusammengeschustertes Machwerk handelt, das keines der Kriterien erfüllt, die man an einen professionell erarbeiteten Plan stellt.

Elemente eines Plans

Bei Planungsprozessen orientiert man sich am besten an den Methodiken führender Strategieberatungen wie McKinsey, BCG etc. Sie machen das täglich für die größten Unternehmen der Welt, wissen besser als andere, wie ein Planungsprozess abläuft, was in einen Plan gehört und was nicht und wie man ihn strukturiert.

Um ihre Pläne prägnant, klar und übersichtlich zu halten, nutzen McKinsey Consultants bei allen Elementen des Plans das “Magic Seven Prinzip." Sie beschränken sich immer auf maximal sieben Elemente, weil man in psychologischen Forschungen festgestellt hat, dass man bei einer höheren Anzahl den Überblick verliert und nicht mehr in der Lage ist, erfolgreich zu führen.

Am Ende eines so durchgeführten Planungsprozesses hat man einen Maßnahmenkatalog, der sicherstellt, dass die größten Probleme mit höchster Priorität gelöst werden, der perfekt dazu geeignet ist, die Ziele zu erreichen.

  • 01Situations-Analyse

    Jeder Planungsprozess beginnt mit einer Situations-Analyse und der Erstellung einer priorisierten Problembeschreibung, die Ausgangspunkt für die Zieldefinition ist.

  • Im zweiten Schritt werden die Ziele aus den Problemen abgeleitet. Aus dem größten Problem leitet man das wichtigste Ziel ab. Danach hat man ein Ziel-Szenario mit maximal sieben Zielen, geordnet nach Prioritäten.

  • In der Strategie-Definition werden für jedes Ziel geeignete Strategien abgeleitet. Jede Strategie wird sorgfältig danach beurteilt , in welchem Umfang sie zur jeweiligen Zielerreichung beiträgt. Der Umfang ist Grundlage der Strategie-Priorisierung.

  • Zu jeder Strategie werden konkrete, terminierte und priorisierte Maßnahmen zu ihrer Umsetzung geplant. In einem Masterplan Mobilität sollten die maximal sieben Kern-Maßnahmen natürlich nur rudimentär beschrieben werden, um ihn kurz und lesbar zu halten.

In diesem Plan dominiert das Gegenteil des Magic Seven Prinzips, jedes Kapitel wird mit Plattitüden und banalen, nichtssagenden Textpassagen überfrachtet. Das ist reine Absicht, damit der Normalbürger schnell keine Lust mehr hat, sich durch diesen unübersichtlichen Detailkram zu kämpfen.

Ein Manager in der Wirtschaft, der seiner Geschäftsführung so ein 200 Seiten langes "Machwerk" vorlegt, hat am nächsten Tag keinen Job mehr, weil ihn die Geschäftsführung zurecht für völlig überfordert hält.

Das totale Desaster: Die Zieldefinition

Von Goethe wissen wir: "Die unabdingbare Voraussetzung für Erfolg sind klare Ziele und der brennende Wunsch sie zu erreichen".

Ziele stehen folglich über allem, nicht nur bei Goethe sondern auch in der Managementberatung. Von den Zielen leitet man die Strategien ab und von den Strategien die Maßnahmen. Wenn die Ziele falsch sind, ist laut McKinsey, BCG etc. alles andere auch falsch. Ziele sollten folglich vorne stehen, gleich hinter der Situations-Analyse. Sie sollten klar, prägnant formuliert, spezifisch, meßbar, ambitioniert und trotzdem erreichbar sein. Jedes Ziel muss ein Datum enthalten, man will ja vor allem anderen wissen, was bis wann es erreicht werden soll.

Im Masterplan stehen die Ziele nicht vorne, sondern tief versteckt als Unterpunkte in anderen Kapiteln, so als wären sie völlig unwichtig.

Die Zieldefinition besteht aus endlosen Zahlenkolonnen und Zielwerten, die offensichtlich "gewürfelt" sind, nichts mit der Realität zu tun haben. In diesem ganzen Plan gibt es kein einziges ambitioniertes Verkehrsziel. Der Autor bringt es sogar fertig, Randbedingungen, die man üblicherweise vor die Maßnahmenplanung setzt, als Ziele zu deklarieren: "Gesundheitsschutz: Mobilität soll keine negativen gesundheitlichen Auswirkungen haben.". Dass das kein Ziel ist, sondern eine Randbedingung für die Maßnahmenplanung, erkennt man schon daran, dass man kein Datum setzen kann, weil solche Randbedingungen für alle Zeit gelten, niemals abgeschlossen werden. Statt klarer, ambitionierter Ziele gibt es ambitionsloses Wischiwaschi wie "Erreichbarkeit: Die Erreichbarkeit Frankfurts mit allen Mobilitätsformen soll verbessert werden.".

Im Verkehrsdezernat weiß man nicht, was Strategie ist

Dass der Autor nicht weiß, was Strategien sind, dass er nicht weiß, in welchem Zusammenhang Ziele, Strategien und Maßnahmen zueinander stehen, beweist er mit folgendem Satz:

"Die strategischen Ziele ergänzen den strategischen Rahmen mit zentralen messbaren Zielen, hin zum Umstieg auf effizientere, flächensparsamere, umweltfreundliche Verkehrsmittel, für eine mobile und lebenswerte Stadt."

Deutlicher kann man seine Inkompetenz nicht demonstrieren. Ziele "ergänzen" die Strategien nicht, sie stehen über ihnen, werden zeitlich vorher definiert. Das ergibt sich schon aus der Strategie-Definition im Duden: "Strategie ist der genaue Plan des eigenen Vorgehens, der dazu dient, ein Ziel zu erreichen ..." So etwas lernt man im ersten Führungskräfteseminar und so etwas sollte ein Verkehrsplaner wissen, wenn er einen Verkehrsplan für die Stadt mit dem größten Pendler-Volumen in Deutschland erstellen will.

Schikane statt seriöser Verkehrspolitik

Im Kapitel "Teilstrategie Motorisierter Individualverkehr" offenbaren die Autoren tief versteckt in endlosen Textpassagen ihre wahren Absichten. Hier taucht die sogenannte "Push-Strategie"" der Frankfurter Radfahrerlobby auf, hinter der sich nichts anderes verbirgt als das systematische Schikanieren von Pendlern und der mit großem Abstand größten Verkehrsteilnehmergruppe, der 350.000 Frankfurter Familien, die ein Auto besitzen.