"Masterplan Mobilität" - Demonstration planerischer Inkompetenz

Autofreies Stadtzentrum nicht geplant

Jahrzehnte Rückstand auf Oslo als Vorreiter für eine Verkehrswende, für ein autofreies, lebendiges Stadtzentrum mit gesundem Einzelhandel werden mit diesem Plan nicht aufgeholt. Das Ziel "autofreies Stadtzentrum" ist nicht definiert, die dazu erforderliche Untertunnelung der Berliner Straße nicht erwähnt und nicht geplant.

Dieser Plan ist ganz bestimmt nicht dazu geeignet, den massiven Verkehrszufluss in unser Stadtzentrum spürbar einzudämmen um damit die Voraussetzungen für ein autofreies Stadtzentrum und für autofreie Mainuferstraßen zu schaffen, weil die beiden wichtigsten Instrumente zum Erreichen dieser Ziele - ein wettbewerbsfähiger ÖPNV und eine Park&Ride-Infrastruktur an unseren Stadtgrenzen, an der man in die U-Bahn umsteigen kann - viel zu wenig Berücksichtigung finden. Dieser Plan ist lediglich ein Freifahrtschein für die Grünen, um ihre für die Umwelt und Wirtschaft schädliche Verkehrsverdichtungs- und Stauerzeugungspolitik weiterführen zu können.

Sie können den Plan hier herunterladen Ein Blick auf das Inhaltsverzeichnis genügt, um zu erkennen, dass es sich um ein dilettantisch zusammengeschustertes Machwerk handelt, das keines der Kriterien erfüllt, die man an einen professionell erarbeiteten Plan stellt.

Wie man einen Plan normalerweise erarbeitet und strukturiert

Bei Planungsprozessen orientiert man sich am besten an den Methodiken führender Strategieberatungen wie McKinsey, BCG etc. Sie machen das täglich für die größten Unternehmen der Welt, wissen besser als andere, wie ein Planungsprozess abläuft, was in einen Plan gehört und was nicht und wie man ihn strukturiert.

Um ihre Pläne prägnant, klar und übersichtlich zu halten, nutzen McKinsey Consultants das “Magic Seven Prinzip." Sie beschränken sich beim Strukturieren von Problemen, Zielen, Strategien und Maßnahmen immer auf maximal sieben Elemente, weil man in psychologischen Forschungen festgestellt hat, dass man bei einer höheren Anzahl den Überblick verliert und nicht mehr in der Lage ist, erfolgreich zu führen.

Am Ende eines so durchgeführten Planungsprozesses hat man einen Maßnahmenkatalog, der sicherstellt, dass die größten Probleme mit höchster Priorität gelöst werden, der perfekt dazu geeignet ist, die Ziele zu erreichen.

  • 01Situations-Analyse

    Jeder Planungsprozess beginnt mit einer Situations-Analyse und der Erstellung einer priorisierten Problembeschreibung, die Ausgangspunkt für die Zieldefinition ist.

  • Im zweiten Schritt werden die Ziele aus den Problemen abgeleitet. Aus dem größten Problem leitet man das wichtigste Ziel ab. Danach hat man ein Ziel-Szenario mit maximal sieben Zielen, geordnet nach Prioritäten.

  • In der Strategie-Definition werden für jedes Ziel geeignete Strategien abgeleitet. Jede Strategie wird sorgfältig danach beurteilt , in welchem Umfang sie zur jeweiligen Zielerreichung beiträgt. Der Umfang ist Grundlage der Strategie-Priorisierung.

  • Zu jeder Strategie werden konkrete, terminierte und priorisierte Maßnahmen zu ihrer Umsetzung geplant. In einem Masterplan Mobilität sollten die maximal sieben Kern-Maßnahmen natürlich nur rudimentär beschrieben werden, um ihn kurz und lesbar zu halten.

In diesem Plan dominiert das Gegenteil des Magic Seven Prinzips, jedes Kapitel wird mit Plattitüden und banalen, nichtssagenden Textpassagen überfrachtet. Das ist reine Absicht, damit der Normalbürger schnell keine Lust mehr hat, sich durch diesen unübersichtlichen Detailkram zu kämpfen.

Ein Manager in der Wirtschaft, der seiner Geschäftsführung so einen 200 Seiten langes "Murks" vorlegt, hat am nächsten Tag keinen Job mehr, weil ihn die Geschäftsführung zurecht für völlig unfähig und überfordert hält. Dass das Stadtparlament so ein dilettantisch zusammengeschustertes Machwerk für einen "Verkehrsplan" hält und verabschiedet, wirft kein gutes Licht auf die Kompetenz und Intelligenz der Abgeordneten.

Das totale Desaster: Die Zieldefinition

Von Goethe wissen wir: "Die unabdingbare Voraussetzung für Erfolg sind klare Ziele und der brennende Wunsch sie zu erreichen".

Ziele stehen folglich über allem, nicht nur bei Goethe sondern auch in der Managementberatung. Von den Zielen leitet man die Strategien ab und von den Strategien die Maßnahmen. Wenn die Ziele falsch sind, ist alles andere auch falsch. Ziele sollten folglich vorne stehen, gleich hinter der Situations-Analyse. Sie sollten klar, prägnant formuliert, spezifisch, meßbar, ambitioniert und trotzdem erreichbar sein. Jedes Ziel muss ein Datum enthalten, man will ja vor allem anderen wissen, was bis wann es erreicht werden soll.

Im Masterplan stehen die Ziele nicht vorne, sondern tief versteckt als Unterpunkte in anderen Kapiteln, so als wären sie völlig unwichtig.

In diesem ganzen Plan gibt es kein einziges ambitioniertes Verkehrsziel. Die Ambitionslosigkeit dieses Plans zeigt sich schon daran, dass bei den Zielen Begriffe "autofreies Stadtzentrum", "autofreie Innenstadt" oder "autofreie Mainufer" nicht vorkommen. Die Bürger werden im Unklaren dabei gelassen, ob solche Ziele verfolgt werden und wenn ja, mit welchen Strategien man sie erreichen will.

Der Autor bringt es sogar fertig, Randbedingungen, die man üblicherweise vor die Maßnahmenplanung setzt, als Ziele zu deklarieren: "Gesundheitsschutz: Mobilität soll keine negativen gesundheitlichen Auswirkungen haben.". Dass das kein Ziel ist, sondern eine Randbedingung für die Maßnahmenplanung, erkennt man schon daran, dass man kein Datum setzen kann, weil solche Randbedingungen für alle Zeit gelten, niemals abgeschlossen werden. Statt klarer, ambitionierter Ziele gibt es ambitionsloses Wischiwaschi wie "Erreichbarkeit: Die Erreichbarkeit Frankfurts mit allen Mobilitätsformen soll verbessert werden.".

Im Verkehrsdezernat weiß man nicht, was Strategie ist

Dass der Autor noch nicht einmal weiß, was Strategien sind, dass er nicht weiß, in welchem Zusammenhang Ziele, Strategien und Maßnahmen zueinander stehen, beweist er mit folgendem Satz:

"Die strategischen Ziele ergänzen den strategischen Rahmen mit zentralen messbaren Zielen, hin zum Umstieg auf effizientere, flächensparsamere, umweltfreundliche Verkehrsmittel, für eine mobile und lebenswerte Stadt."

Deutlicher kann man seine Inkompetenz nicht demonstrieren. Ziele "ergänzen" die Strategien nicht, sie stehen über ihnen, werden zeitlich vorher definiert. Das ergibt sich schon aus der Strategie-Definition im Duden: "Strategie ist der genaue Plan des eigenen Vorgehens, der dazu dient, ein Ziel zu erreichen ..." So etwas lernt man im ersten Führungskräfteseminar und so etwas sollte ein Verkehrsplaner wissen, wenn er einen Verkehrsplan für die Stadt mit dem größten Pendler-Volumen in Deutschland erstellen will.