Öffentlicher Personennahverkehr
Andere bauen den ÖPNV aus, Frankfurt lässt ihn verrotten
Auf einen Blick
Frankfurts Problem sind die vielen Pendler, die mit dem Auto kommen. Frankfurt ist die Pendler-Hauptstadt in Deutschland. Mehr als 200.000 kommen seit Jahrzehnten täglich mit dem Auto, weil die Grünen, die mit einer Ausnahme seit 20 Jahren den Verkehrsdezernenten stellen, in all diesen Jahren nicht in der Lage waren, den Pendlern eine wettbewerbsfähige Alternative im ÖPNV zu bieten.
Oslo, Stockholm, Amsterdam und andere zeigen es: Das Pendler-Problem kann man nicht mit Radwegen lösen. Und schon gar nicht mit Verkehrsverdichtungs- und Stauerzeugungs-Politik. Dieses Problem muss man mit einem flächendeckenden, hoch-getakteten, modernen, bequemen und wirtschaftlich wettbewerbsfähigen ÖPNV adressieren. Die grünen Verkehrsdezernenten der letzten 20 Jahre haben unseren ÖPNV aber nicht vorangebracht, im Gegenteil, sie haben ihn sträflich vernachlässigt, regelrecht verrotten lassen.
Rückständig, umständlich, unbequem: Wenn ein Asiate, Niederländer oder Skandinavier eine unserer heruntergekommenen U-Bahn-Stationen betritt, muss er sich vorkommen wie in einem Dritte-Welt-Land. Er ist es gewohnt, kontaktlos ohne Fahrkarte zu fahren: EC-/Kreditkarte/Mobiltelefon beim Ein- und Aussteigen unter einen Scanner - fertig. In Frankfurt steht er ratlos vor einem grünen Kasten aus der IT-Steinzeit und muss sich auf einem versifften Monitor mit Tarifzonen beschäftigen, um eine Fahrkarte zu kaufen.
Keine andere Metropole der Welt hat solch heruntergekommene U-Bahn-Stationen wie Frankfurt: Mit Kaugummiresten übersäte Böden, Urin-Pfützen in den Ecken, heruntergerissene Decken-Paneele, verschmierte Wände, katastrophale, versiffte und stinkende Toiletten, Matratzenlager von Obdachlosen.
Das ist das Ergebnis, wenn die Verkehrspolitik in der Hand von Aktivisten der Radfahrerlobby ist, die glauben, mit Radwegen eine Verkehrswende herbneiführen zu können und den ÖPNV - das wichtigste aller Instrumente - völlig vernachlässigen.
Die RadfahrerLobby stellt auf den Radentscheid- und ADFC-Websites fest:
"Ein günstigerer ÖPNV ist sicherlich wünschenswert, ändert aber nichts an der oft mangelhaften Anbindung und Taktung.
Gerade im Hinblick auf ländliche Gebiete ist der ÖPNV heute oftmals nicht konkurrenzfähig,
sodass die Pendlerinnen und Pendler lieber auf das Auto setzen.
Insofern müsste hier parallel zur Kostenreduzierung ein massiver Ausbau stattfinden.“
Die Radfahrerlobbyisten liegen ausnahmsweise mal völlig richtig: Hinsichtlich Organisation, Flächendeckung, Taktung, Praktikabilität sowie Technologie & Digitalisierung liegen wir nicht Jahre, sondern Jahrzehnte hinter den Niederlanden, den asiatischen und den skandinavischen Metropolen zurück. Aber es gibt überhaupt keinen Plan, daran etwas zu ändern. Der Fokus liegt auf dem Bau von Radwegen, die überhaupt keinen Beitrag zur Lösung unseres Pendler-Problems leisten.
So lange der Frankfurter ÖPNV nicht wettbewerbsfähig wird, der Verkehrszufluss von außen durch einen praktikablen, preislich wettbewerbsfähigen ÖPNV nicht gravierend eingedämmt wird, wird es keine Verkehrswende geben.
Asien und Skandinavien vorne - Frankfurt weit hinten
Im weltweiten Vergleich liegen wir nicht Jahre sondern Jahrzehnte hinter den führenden Metropolen. Hier ein Vergleich zu Stockholm, das mit der Schönheit seiner Stationen und der preislichen Wettbewerbsfähigkeit noch ein wenig heraussticht.
Versifftes Frankfurt
Verdreckt, versifft und heruntergekommen: In vielen Stationen gibt es seit Jahren keine Deckenverkleidung mehr, die Paneele wurden einfach heruntergerissen und nicht mehr ersetzt. Die Böden sind von Kaugummi-Resten übersät, es stinkt, in den Ecken sieht man Urin-Pfützen. Müll liegt herum, die Wände sind voller Schmierereien. In der Station Eschenheimer Tor campieren Obdachlose. Die stinkenden, versifften Toiletten sind eine Schande für unsere Stadt.
Mangelhafte Flächendeckung und Taktung: Bei weitem nicht alle relevanten Umlandgemeinden sind per ÖPNV erreichbar. Lange Wartezeiten und fehlende P&R-Plätze in Stadt-Peripherie und i Umland verhindern die ÖPNV-Nutzung derjenigen, die wir für eine Verkehrswende als ÖPNV-Nutzer brauchen.
Unpraktisch, rückständig, kompliziert: Man braucht eine Fahrkarte, muss sich mit einem komplizierten Tarifsystem herumschlagen. Touristen und Gechäftsreisende stehen vor einem grünen Kasten aus den 90er Jahren, müssen sich auf einem versifften Monitor mit Tarifzonen beschäftigen, um eine lächerliche Kurzstreckenfahrkarte zu lösen.
Nicht wettbewerbsfähig: Man bekommt eine sehr schlechte Leistung zu einem hohen Preis. Ein Paar, das aus Eschersheim zum Einkaufen ins Stadtzentrum will, hat 16 EUR auf der Rechnung. Da fährt man lieber mit dem Auto ins MTZ.
Glänzendes Stockholm
Flächendeckend und hoch getaktet: Alle Umlandgemeinden sind per ÖPNV erreichbar, alle paar Minuten fährt die Bahn.
Sauber und schön: Wundervoll gestaltete U-Bahn-Stationen mit sauberen, glänzenden Böden und Wänden.
Praktikabel und und bequem: Eine Fahrkarte braucht man nicht, mit Tarifzonen muss man sich nicht beschäftigen. Man hält beim Ein- und Aussteigen EC-/Kreditkarte, AppleWatch oder Mobiltelefon unter einen Scanner. Das wars, der Preis wird automatisch berechnet und belastet.
Wettbewerbsfähig: Stockholm kombiniert eine City-Maut mit einem perfekten ÖPNV. Die City-Maut dient dazu, dem ÖPNV zusätzlich noch einen gravierenden preislichen Wettbewerbsvorteil gegenüber dem Auto zu verschaffen.
Stockholm hat etwa 1 Million Einwohner aber mit 8 Milliarden EUR ein etwa gleich hohes Budget wie Frankfurt. Der Frankfurter Magistrat muss sich fragen lassen: Warum schafft es Stockholm bei identischem Budget, den Pendlern und Bürgern eine perfekte U-Bahn zur Verfügung zu stellen und warum schafft es Frankfurt nicht? Hier einige Eindrücke aus den U-Bahn-Stationen in Stockholm
Weitere Details dazu in einem Welt Artikel zur U-Bahn in Stockholm.